Blaumachen, ...in die Mangel nehmen, ...sein Blaues Wunder erleben – der Blaudruck hat in unserer Umgangssprache seine Spuren hinterlassen. Auf diese Technik des Stoffdrucks kam man wahrscheinlich zufällig, als man entdeckte, dass sich gewisse Flecken an den Stoffen nicht anfärbten. So begann man bewusst zu experimentieren, abzubinden, Steine in den Stoff zu schnüren, Lehm und Wachs aufzutragen und entwickelte so den Papp, um dessen Rezept die Blaudrucker seit jeher ein Geheimnis machen.

In China, Indien und Ägypten lässt sich das Blaufärben mit Indigo (v. span., lat., griech.: indikón das Indische,) bis ins Altertum zurückverfolgen. In Indien wird der auch Ursprung des Blaudrucks vermutet, von wo er sich über den Orient bis hin nach Afrika ausbreitete. Eine Kindertunika aus dem 4. Jahrhundert, endeckt in einem Grab in Achmim in Ägypten, gilt als einer der ältesten erhaltenen Blaudruckstoffe. Marco Polo brachte im 13. Jahrhundert den Indigo von seinen Reisen in den Orient nach Europa mit. Schlangenbisse, Hautentzündungen, und Zahnschmerzen wurden in Japan mit Indigo behandelt. Auch gegen das Grauwerden der Haare und das zu rasche Altern sollten die Indigosamen helfen. In Mitteleuropa wurde zum Blaufärben der heimische Färberwaid verwendet, dessen Hauptanbaugebiet in Thüringen lag. Aufgrund der großen Distanz und des hohen Preises, war Indigo lange Zeit keine Konkurrenz zum Waid.

Erst mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco de Gama 1458 und der Gründung der ostindischen Handelsgesellschaften kamen die Quutun (so nannten die arabischen Händler die Baumwolle) und die Indiennes (indische Baumwolldrucke) in großer Zahl in.nach Europa. Zwei Amsterdamer Kaufleute gründeten 1678 die erste Kattundruckerei. Jeremias Neuhofer, ein deutscher Drucker, brachte nach anfänglichen Schwierigkeiten den Blaudruck aus den Niederlanden nach Deutschland. Da die Blaudrucker nicht nur druckten, sondern auch färbten und sich ihre Modeln teilweise auch selbst schnitzten, waren sie nicht wirklich einer Zunft zuzuordnen. Am ehesten noch zu den Färbern, aber selbst die teilten sich in die Schön- und Schwarz- oder Schlechtfärber. Wobei das Schlecht nichts mit der Qualität der Färbung zu tun hatten, sondern mit dem verwendeten Leinen, das damals als nicht so fein angesehen war.

Da die Blaudruckgesellen um ihren Meister zu erlangen drei Jahre lang auf die Walz gehen mussten, verbreitete sich der Blaudruck rasch in ganz Mitteleuropa. So ist auch die Ähnlichkeit der Modelmuster zu verstehen. Den größten Aufschwung erlebte der Blaudruck im 17. und 18. Jahrhundert. Wissenschaft und Forschung begannen sich für den Indigo zu interessieren und lernten seine Struktur zu entschlüsseln und nachzubauen. Um 1880 gelang Adolf von Baeyer die Indigosynthese.

Mit zunehmender Industrialisierung und der Entdeckung der Indanthrenfarben ging der Blaudruck immer mehr zurück. Zu mühselig und aufwändig war die Herstellung und nur wenige Betriebe haben sich erhalten. Unserer ist einer davon. Lange Zeit die Kunst der armen Leute, erlebt der Blaudruck heute wieder eine Renaissance. Das Handwerk und seine Individiualität sind wieder gefragt, und darüber freuen wir uns.